Das Geschäftsmodell heißt Geschmack.
"Lieber Herr Müller-Lüdenscheidt,
kaufen sie einfach das,
was Ihnen am besten gefällt."
Seit fünf Jahrzehnten erzählt uns die HiFi-Branche
den Unsinn von
- Seidige Höhen.
- Warmen Mitten.
- Kräftiger Bass.
- Mehr Bühne.
- Mehr Luft.
- Mehr Musikalität.
- Mehr Schmelz.
Und wenn dir das nächste Gerät wieder besser gefällt?
Dann kaufst du einfach wieder neu.
Genau das ist das Geschäftsmodell der HiFi-Branche.
Nicht Wiedergabetreue.
Sondern unser wechselnder Geschmack.
Denn Geschmack verändert sich.
Genau davon lebt das Marketing.
Richtigkeit nicht.
Richtig bleibt immer richtig.
Warum ich daran erinnere?
Niemand würde eine Uhr kaufen, deren Uhrzeit ihm besser gefällt.
Niemand würde einen Zollstock kaufen, dessen Zentimeter zu kurz oder sympathischer wären.
Niemand würde ein Navigationsgerät kaufen, das einen schöneren statt den richtigen Weg zeigt.
Einen 343-m/s-Zollstock kann man zwar nicht kaufen.
Aber
jeder Mensch
trägt ihn ohnehin
seit seiner Geburt
im Kopf.
Und genau mit diesem inneren 343-m/s-Zollstock
beurteilt unser Hörinstinkt intuitiv die
räumliche Plausibilität jedes Schallereignisses.
Warum sollte Maßhaltigkeit bei HiFi nicht genauso gelten?
Warum soll ausgerechnet bei HiFi der Geschmack wichtiger sein als die Realität?
Fakt ist:
Kein HiFi-Hersteller auf dieser Welt definiert einen
ursprünglichen Schallereignisraum als Maßstab
für die Wiedergabetreue seiner HiFi-Geräte.
Dabei entsteht genau dieser ECHT-Raum ausschließlich
durch die Schallausbreitung mit etwa 343 m/s.
Wie das passiert:
- Die Schallgeschwindigkeit erzeugt Laufzeiten.
- Laufzeiten erzeugen Schallzeiträume.
- Schallzeiträume erzeugen den wahrnehmbaren Ereignisraum.
Deshalb hören wir immer Vergangenheit.
Seit unserer Geburt vergleicht unser Hörinstinkt jede neue hörbare Vergangenheit
mit den natürlichen Schallereignissen, die er bereits kennt.
Genau deshalb erkennt er intuitiv ECHT –
oder eben künstlich.
Und warum eigentlich nicht?
Es geht um ein Geschäftsmodell ohne festen Maßstab.
Nur das Marketing definiert, was als Fortschritt gelten soll.
Solange immer neue Klangideale als Fortschritt verkauft werden,
bleibt der Wunsch nach dem nächsten besseren Gerät bestehen.
Ein einziger natürlicher Maßstab würde dieses Spiel beenden.
Denn plötzlich gäbe es wieder ein RICHTIG.
Nicht:
Das gefällt mir besser.
Sondern:
Das kommt dem ursprünglichen Musikereignis näher.
Jetzt denke ich einmal laut:
Ich möchte keine geschönte Musik hören.
Ich möchte die Musiker richtig wiedererleben.
Nicht eine zeitreduzierte HiFi-Version des ursprünglichen Musikereignisses.
Ich möchte
das nicht ganz gleichzeitige Anstreichen der Streicher hören.
Das Rauf- und Runtergleiten der Finger auf den Saiten des Kontrabasses.
Das Wechseln der Pedalerie am Konzertflügel.
Keith Jarretts Quasi-Mitsingen beim Köln Concert.
Das Einatmen eines Sängers.
Das Umblättern einer Notenseite.
Das leise Knarzen eines Klavierhockers.
Ich möchte
die individuelle Menschlichkeit
der Musiker wahrnehmen.
Denn genau sie gehört zum ursprünglichen Musikereignis.
Ob
- Harry Belafonte – Live at Carnegie Hall,
- Kate Bush – Babushka,
- Peter Tosh – Equal Rights,
- Helge Schneider – Katzenklo
- oder Richard Strauss – Also sprach Zarathustra.
EGAL
Jedes Musikereignis besitzt
seinen eigenen Charakter.
Seine eigene Dynamik.
Seine eigene Atmosphäre.
Eine eigene räumliche Plausibilität.
Ich will nicht mehr
und nicht weniger hören.
HiFi darf nichts hinzufügen.
HiFi darf nichts weglassen.
Eine HiFi-Anlage hat nicht die Aufgabe,
daraus etwas Schöneres zu machen.
Sie hat genau eine Aufgabe:
Wiedergabe
Die räumlich schlüssige Plausibilität der Ereignisse
möglichst verlustfrei zu übertragen.
Denn alles, was hinzugefügt wird, hat nie stattgefunden.
Und alles, was verloren geht, gehörte zum ursprünglichen Musikereignis.
Ich möchte die
räumlich schlüssige Plausibilität der Ereignisse
wie im Konzertraum wahrnehmen -
in meinem Wohnzimmer.
Denn womit sonst sollte HiFi unsere beiden Ohren richtiger füttern,
wenn nicht mit den ursprünglichen Schallereignissen?
Meine Anlage
habe ich über Jahre teils gebraucht gekauft und aufgebaut.
Die Neupreise ihrer Komponenten lagen zusammen bei etwa 60.000 €.
Zur Einordnung: Ich fahre einen 13 Jahre alten 80 PS-Golf.
Durch das Reduzieren falscher Membranimpulse
hat sie sich für mich so weit entwickelt, dass ich sie
hinsichtlich des Erlebens von ECHT
auf einem Niveau einordne,
das ich bei Anlagen im mittleren sechsstelligen Preisbereich bislang nur gelegentlich annähernd erleben konnte.
Meine Anlage spielt
- nicht schöner.
- nicht spektakulärer.
- nicht audiophiler.
Sondern einfach nur natürlich ECHT.
Denn genau
das sucht unser Hörinstinkt.
Nicht
Das gefällt mir besser.
Sondern
Das klingt genauso plausibel, wie echte Ereignisse klingen.
Die räumlich schlüssige Plausibilität
natürlicher Schallereignisse
wieder wahrnehmen zu können,
ist für mich
das eigentliche Ziel
jeder HiFi-Wiedergabe.
Richtiges Hören hat mein Neukaufen beendet.
Heute suche ich
keine besseren Geräte mehr.
Keine neuen Klangideale.
Sondern nur noch
das ursprüngliche Musikereignis.