Wo Messungen enden –
beginnt die eigentliche Rechenaufgabe
Lautsprecher erzeugen Schall. Messgeräte erzeugen Messwerte. Das ECHTE entsteht aus beidem nicht. Es kann überhaupt erst entstehen, wenn der membranerzeugte Schall genau dieselben zeitlichen Strukturen plausibel und kohärent impulsiert. Denn es geht im Grunde um die Wiedererkennung sämtlicher Ereignisse, die gemeinsam den ursprünglichen Ereignisraum formten. Genau diesen Ereignisraum versucht unser Gehör aus den zeitlichen Beziehungen des Schalls wieder zu rekonstruieren. Die Grundlage dafür ist die endliche Schallgeschwindigkeit von etwa 343 m/s. Erst sie macht plausible Laufzeitunterschiede möglich, aus denen unser Gehirn fortlaufend die Verortung der Ursachen sämtlicher Ereignisse zurückschließen kann. Wohlgemerkt: Wir können alle Ereignisse, die unsere Ohren gleichzeitig erreichen, sauber differenzieren. Obwohl sie die Trommelfelle im exakt selben Moment treffen. Warum? Weil wir zwei Ohren haben und mit ihnen Wegzeiten berechnen. Intuitiv. Unser ganzes Leben lang.
Wir hören deshalb niemals die Gegenwart. Wir hören Vergangenheit.
Was Messungen tatsächlich messen
Messungen messen Eigenschaften des Schalls: Frequenzgänge, Pegel, Phasen, Klirr. Sie messen Zahlen. Doch Zahlen sind noch kein Ereignis, noch kein Raum, noch kein ECHT. Denn Bedeutung entsteht nicht auf dem linken oder rechten Kanal einer Messung.
Bedeutung entsteht aus dem räumlichen und zeitlichen Zueinander aller Schallereignisse.
Warum das ECHTE nicht messbar ist
Unser Gehirn bewertet Veränderungen. Es rekonstruiert fortlaufend: Wo befindet sich etwas? Wie weit ist es entfernt? Bewegt es sich? Wir können Schall messen. Wir können Lautsprecher messen. Wir können Räume messen. Was wir nicht messen können, ist das Ergebnis der biologischen Rekonstruktion. Denn das einzige bekannte System, das aus Schall einen glaubwürdigen Ereignisraum erzeugt, ist ein lebendiges Gehirn. Und zwar nicht zur Unterhaltung – sondern zum Überleben.
Seit 40 Jahren verfolge ich die HiFi-Branche. Ich habe Geräte, Trends und Philosophien kommen und gehen sehen. Doch an einen HiFi-Hersteller, der die endliche Schallgeschwindigkeit von etwa 343 m/s zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen gemacht hätte, kann ich mich nicht erinnern. Mich eingeschlossen. Damals. Erst mit der Digitaltechnik ist der HiFi-Branche eingefallen, sich intensiv mit Zeit, also Jitter zu beschäftigen. Bei Mehrwegelautsprechern hatte man schon deutlich früher erkannt, dass die Laufzeiten der einzelnen Chassis geometrisch korrigiert werden sollten. Später kamen Phasenfehler, Gruppenlaufzeiten, Zeitrichtigkeit, Impulsverhalten, Einschwingverhalten und Ausschwingverhalten hinzu. Doch alles zu spät. Und deshalb egal. Denn diese Themen beginnen ihren Einfluss erst dort, wo HiFi bereits übernommen hat. Also bei den Geräten. Die entscheidende Frage lautet nämlich nicht: „Wie funktioniert HiFi?“, sondern: „Wie funktioniert natürliches Hören?“
Der eigentliche Irrtum
Die zweite Zeitebene betrifft erst die Geräte im Hörraum. Mich interessiert dagegen der ursprüngliche Ereignisraum der Musikdarbietung. Wenn wir dort sind, rekonstruiert unser Gehör aus den zeitlichen Informationen, die unsere Ohren vor Ort in den plausiblen Strukturen natürlichen Schalls erkennen. Das passiert automatisch, wenn wir hören. Egal wo wir sind und was wir tun. Und beim HiFi-Hören auch. HiFi funktioniert am Ende immer gleich: Membranen impulsieren Schall aus der Energie, die die Schwingspulen umsetzen. Aus jeder Energie, die sie erreicht. Und genau dort beginnt das Problem. Denn die Membranen unterscheiden nicht zwischen musikzugehöriger Energie und den Zuständen der Wiedergabekette. Sie setzen alles in Schall um. Dadurch werden die zeitlichen Beziehungen überlagert, maskiert oder verändert, die natürlichen Schall eigentlich auszeichnen. Es sind die zeitlichen Beziehungen, die unser Gehör erwartet – aber nicht wiedererkennen kann.
Klarer formuliert: Im Grunde sabotieren sich 99,99 % aller HiFi-Geräte selbst. Nicht absichtlich. Aber Physik passiert einfach. Durch mehr oder weniger zufällige Kontamination der Ereigniszeiten mit den eigenen Gerätezuständen sabotieren HiFi-Geräte die Richtigkeit des Ereignisraums während der Signalverarbeitung selbst. Die Membranen brauchen nur zur falschen Zeit falsch impulsiert zu werden. Je häufiger das passiert, desto unechter wirkt der wiedergegebene Ereignisraum. Und das passiert nicht nur einmal. Es passiert in nahezu jedem Gerät der Wiedergabekette. Die zeitlichen Verluste addieren sich deshalb nicht nur. Sie verstärken sich gegenseitig – ein negativer Synergieeffekt. Dadurch werden die Verluste entlang der Wiedergabekette immer größer und am Ende deutlich größer als die Summe ihrer einzelnen Verluste. Und spätestens jetzt wird klar, weshalb die zweite Ebene für das ECHTE nur zweitrangig ist.
Nur eines noch muss ich loswerden:
Glaubt hier wirklich jemand, ich hätte nach über 40 Jahren HiFi plötzlich den Verstand verloren?
Oder bezweifelt, dass ich das ECHTE nicht erkennen würde?
Oder es mit Geschmack verwechseln würde?
Dass der Schlüssel in der Zeit liegt,
ist schlüssig und logisch, wenn man einfach bis drei zählt.
Die Schallgeschwindigkeit von etwa 343 m/s bildet Richtung, Entfernung und Bewegung überhaupt erst ab.
Indem sie die Laufzeitunterschiede ermöglicht, die uns die Natur im Schall übermittelt.
Nur aus ihnen rekonstruiert unser Gehör die uns umgebenden Ereignisräume.
So funktioniert das im Leben.
Und so funktioniert dasselbe Gehör bei HiFi.
Wir hören diese Laufzeiten jeden Tag in der Natur.
Unser Gehör wertet sie ein Leben lang intuitiv aus.
Du .
Ich.
Jedes Lebewesen mit zwei Ohren.
Und trotzdem finden wir zwei beide in Jahrzehnten HiFi-Presse,
Herstellerprospekten und Hochglanzblättern
nicht ein Wort darüber?
Die kümmern sich um Jitter, Phasenfehler, Zeitrichtigkeit und Co.
Die Laufzeiten aber,
die uns ursprüngliche Ereignisräum e überhaupt erlebbar machen,
spielen in der Branche keine Rolle.
Ist das nicht komisch?
➡️4 – Das Schall-Axiom
5 – Wie funktioniert Homo sapiens
6 – Der biologische Weg zum ECHTEN
7 – NULL-Reset – zum Echt der Ereignisse
8 – Frösche & Züge
9 – Was bewegt die Membranen tatsächlich?
10 – Was ich daraus geschlossen habe
11 – Über mich
12 – Impressum & Kontakt
1 – STARTSEITE: Der Perspektivewechsel auf Natur
2 – Uns genügt der ECHE Raum
3 – Wie der ECHTE Raum entsteht