Was HiFi von Fröschen und Zügen lernen kann
Zeit & Raum – quakend erklärt
Nachdem wir gesehen haben,
wie unser Gehirn Ereignisse biologisch verarbeitet,
schauen wir jetzt nicht auf HiFi - sondern auf die Natur.
Denn dort läuft derselbe Prozess
jeden Tag vor unseren Ohren ab.
Kostenlos.
24 Stunden am Tag.
Der Froschteich
Eine warme Sommernacht.
Das Fenster steht offen.
Etwa 70 Meter entfernt:
ein Teich voller quakender Frösche.
Ich höre ein Ereignisgeschehen.
Ein räumliches und zeitliches Zueinander
vieler quakender Frösche zugleich.
Manche näher.
Manche weiter entfernt.
Manche lauter.
Manche leiser.
Manche tiefer,
manche höher quakend.
Und dennoch entsteht in meinem Kopf mühelos ein glaubwürdiger Raum.
Der entscheidende Punkt
Die Frösche sind etwa 70 Meter entfernt.
Ihr Schall erreicht mich also erst ungefähr 200 Millisekunden später.
Ich höre Vergangenheit.
Und genau darin liegt der Beweis der Echtheit.
Denn diese Vergangenheit kann ich nicht fälschen.
Sie ist bereits passiert.
Ich höre nicht den Klang des Teiches.
Ich höre das Zusammenspiel der quakenden Ereignisse.
Ein großes zeitliches Zueinander.
Denn genau daraus rekonstruiert mein Gehirn
das räumliche Echt der Umgebung.
Ob die Frösche 50 % kleiner wären.
Oder viermal größer.
Der Froschteich bliebe echt.
Jetzt zum Zug
Stellen wir uns einen Güterzug vor.
Etwa einen Kilometer entfernt.
Dann erreicht uns sein Schall erst Sekunden später.
Wir hören also Vergangenheit.
Und genau darin liegt derselbe Echt-Beweis.
Denn auch diese Vergangenheit können wir nicht fälschen.
Weil auch sie bereits passiert ist.
Trotzdem erkennen wir den Zug sofort.
Nicht vielleicht.
Nicht ungefähr.
Sondern eindeutig.
Und wir erkennen nicht nur den Zug.
- Wir hören sein Annähern.
- Wir hören sein Vorbeifahren.
- Wir hören sein Entfernen.
Und wie funktioniert das?
Die Antwort:
Weil wir intuitiv die zeitliche Struktur seines Schalls wahrnehmen.
Und jetzt wird es richtig interessant
Der gehörte Zug bleibt echt.
- Obwohl hohe Frequenzen fehlen.
- Obwohl tiefe Frequenzen fehlen.
- Obwohl sich die Klangfarbe drastisch verändert hat.
- Obwohl die Bandbreite massiv kleiner geworden ist.
Trotzdem bleibt der Zug ein Zug:
- Echt.
- Glaubwürdig.
- Eindeutig.
Was Frösche und Züge gemeinsam haben
Beide erreichen uns als Vergangenheit.
Beide bleiben echte Ereignisse.
Und beide erkennen wir intuitiv als echt.
- Trotz veränderter Klangfarben.
- Trotz verlorener Bandbreite.
- Trotz fehlender Frequenzanteile.
Und was hat das mit HiFi zu tun?
Wenn man mich fragt:
„Was haben Frösche und Züge überhaupt mit HiFi zu tun?“
Dann lautet meine Antwort:
"Mein Gehör besitzt keinen Umschalter zum HiFi-Hören..."
Die Wahrheit ist einfach:
Homo sapiens hört immer mit demselben System.
- Bei Fröschen.
- Bei Zügen.
- Bei Vogelstimmen.
- Bei Gesprächen.
- Und auch bei Musik.
Unser Gehirn bekommt schließlich immer nur Schall geliefert.
Und aus diesem Schall rekonstruiert es immer dieselben Dinge:
- Richtung
- Entfernung
- Bewegung
- Raum
- Ereignisse
- und deren Glaubwürdigkeit
Warum sollte es ausgerechnet bei einer HiFi-Anlage
plötzlich andere Maßstäbe anlegen?
Das Fazit
Der Froschteich beweist es.
Der Güterzug beweist es.
Eine Kirmesgeige beweist es ebenfalls.
Mit Raum und Zeit
bleibt sie ein echtes Ereignis.
Und eine Stradivari?
Wenn ihr Ereignis nicht echt ist,
rettet sie gar nichts.
Eine Kirmesgeige mit echtem Raum
ist Wirklichkeit.
Der teuersten Stradivari ohne Raum
fehlt jedes Echt.
Genau deshalb ist Raumhören
über Zeitwahrnehmung
mein Maßstab für richtiges HiFi.
Weiterführend:
Am Ende zählt: WAS alles bewegt Membranen?